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Grundkonzept für individualpädagogische Maßnahmen

  • Vorwort

    Vorwort

    Grundsätzliches zu unserer Arbeit

    ensemble bietet Betreuungsangebote für deutsche und luxemburgische Kinder und Jugendliche. Jedem Kind und jedem Jugendlichen, der sich an uns wendet, bieten wir eine Betreuung an und übernehmen mit Beginn des Angebotes eine langfristige Verantwortung. Sollte einmal konkret keine geeignete Betreuungsstelle verfügbar sein, werden wir alles dafür tun, ein passendes Angebot zu finden.

    Unsere Erfahrung zeigt, dass für viele Jugendliche bis sie in der passenden Projektstelle angekommen sind, nicht selten der Wechsel einer Betreuungsstelle notwendig ist. Eine wichtige Konstante für den Jugendlichen während dieser Zeit ist deshalb der Träger der Maßnahme und in besonderem Maße die Person des Koordinators. Diese stabilisierende Unterstützung ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit.

    Für den Erfolg unserer Maßnahmen ist die Betreuung des Familiensystems eine wesentliche Voraussetzung. ensemble legt großen Wert darauf dieses im Rahmen jeder Betreuung soweit wie irgend möglich umzusetzen.

    Unsere Haltung in Kurzform: Kein Jugendlicher wird von ensemble zurückgelassen. Wir finden in jedem Fall einen Weg. Niemand wird aus betrieblichen Gründen aus der Betreuung entlassen.

    Eine Beendigung der Maßnahme kann nur aus folgenden Gründen erfolgen:

    • das Amt beendet die Maßnahme,
    • der Jugendliche ist selbständig,
    • äußere Umstände verhindern eine Weiterführung, die ensemble nicht zu vertreten hat.
  • Kooperationsprojekt

    Austausch, Vernetzung und Kooperation von Behörden und Trägern stellt ein grundlegendes Element für die Fortentwicklung einer länderübergreifenden Jugendhilfepolitik dar.

    ensemble ist aus diesem Grund als Kooperationsprojekt zweier etablierter deutscher Träger individualpädagogischer Maßnahmen gegründet worden.

    Ziele des Trägers sind die Entwicklung, und Durchführung pädagogischer Maßnahmen, Konzepte und Ideen in der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland, wie im Ausland unter Berücksichtigung der Anforderungen, die sich aus den Auswirkungen einer globalisierten Welt ergeben. Von daher wird sich die ensemble gGmbH insbesondere der Förderung und Verbreitung von innovativen Kinder- und Jugendhilfemaßnahmen und weiterführender Ideen im In- und Ausland sowie mit dem Austausch und der Beratung entsprechender Institutionen befassen. Es ist ausdrückliches Ziel, mit ausländischen Jugendbehörden gleichermaßen zusammenzuarbeiten und konzeptionelle Ideen im Bereich der Jugendhilfe zu fördern.

  • Haltung

    Ausgehend von einem humanistischen, positiven Weltbild sehen wir in jeder Biographie die Einzigartigkeit des Lebensweges, aber auch dessen Entwicklungsfähigkeit.

    Erlebte Krisen, Brüche, frühkindliche Beziehungs- und Entwicklungsstörungen können durch ein individuelles, flexibles Betreuungsangebot, welches die Ressourcen des Individuums berücksichtigt, aber auch seine Lebenswelt und Systeme einbezieht, bearbeitet und ausgeglichen werden. Auf der Basis eines Beziehungsangebotes und durch einen erlebnis- und handlungsorientierten Ansatz lassen sich verkrustete Verhaltensmuster aufbrechen und eine positive Entwicklungschance herstellen.

  • Zielgruppe

    In den vergangenen Jahren sieht sich die Jugendhilfe mit einer wachsenden Zahl von jungen Menschen konfrontiert, die als besonders „schwierig“ beschrieben werden. Diese Kinder und Jugendlichen werden aufgrund ihrer biographischen Hintergründe sowohl in der Herkunftsfamilie als auch in Maßnahmen der Jugendhilfe mit den regelhaften und oft institutionalisierten Hilfeformen nicht mehr erreicht und entscheiden sich nicht selten für ein Leben auf der Straße, verweigern sich Anforderungen oder gut gemeinten Beziehungsangeboten von Eltern, Lehrern und Pädagogen.

    Wir sprechen diese Jugendlichen als Zielgruppe an. Zusätzlich geraten auch die immer häufiger auftretenden Kinder in den Fokus unseres pädagogischen Handelns.

    Es sind Kinder- und Jugendliche, die

    • von den vorhandenen ambulanten und stationären Angeboten der Jugendhilfe nicht mehr aufzufangen sind,
    • Erfahrungen mit dem Leben auf der Straße haben,
    • Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen machen mussten,
    • kaum eine Ausbildungs- bzw. Arbeitsfähigkeit erreicht haben,
    • noch keine Wohnfähigkeit besitzen,
    • eine emotionale oder soziale Entwicklungsverzögerung haben, die sich ausdrücken kann in Formen wie Schulverweigerung, Kontaktprobleme, Autoritätsproblematik, neurotische und suizidale Konflikte, delinquentes Verhalten,
    • stark drogengefährdet bzw. -abhängig sind.

    Ein weiteres Angebot besteht in der Unterstützung, Beratung und Therapie der familialen Systeme. Wir geben Hilfestellung bei

    • Erziehungsfragen und deren praktische Organisation,
    • lebenspraktischen Problemen,
    • Behördengängen, finanziellen Regulierungen,
    • Schul-/Kindergartenkontakten,
    • der Freizeitgestaltung,
    • dem Aufbau sozialer Kontakte, die eine Entlastung der Familie unterstützen,
    • der Problematik mit dem Stiefsystem oder Ein-Eltern-Familie,
    • Elterntrainings, Elterncoachings.
  • Familienarbeit

    Eines unserer Angebote besteht darin, den Herkunftsfamilien der Kinder und Jugendlichen, die in stationären, individualpädagogischen Projekten im In- oder Ausland betreut werden, Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen.
    Es hat sich in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass gute Gespräche, positive Vorbilder, Kappen alter Kontakte oder das kurzfristige Erlernen neuer Verhaltensmuster, alleine oftmals nicht den gewünschten d. h. nachhaltigen Erziehungserfolg bringen.

    Die als „sehr schwierig“ klassifizierten Kinder und Jugendlichen, die in den ensemble-Projekten betreut werden, zeigen oft vielschichtige Störungen. Fast alle Betreuten kennen Aufenthalte in Einrichtungen der Jugendhilfe aber auch in Psychiatrien. Verhaltensauffälligkeiten wie Bindungsstörungen, Enthemmung, Impulskontrollverlust, Vandalismus, Depressionen, Zerstörungswut, exzessive Stimmungsschwankungen, Drogenmissbrauch, sofortige Triebbefriedigung usw., werden immer häufiger diagnostiziert.
    Wo kommt all dies her? Was können wir tun?

    In Zeiten der Massenmedien, der Globalisierung, des Werteverfalls usw. scheint sich die Aufgabe „Erziehung“ immer schwieriger zu gestalten. Viele Familien, unabhängig der sozialen Schicht oder ihres Bildungsstandes fragen um Unterstützung. Sie berichten oftmals davon, die emotionale Verbundenheit zu ihren Kindern und Jugendlichen verloren zu haben, einhergehend mit einem Kontrollverlust. „Die Kinder machen was sie wollen“ ist die klassische Antwort. Bei genauerem Hinsehen erfahren wir jedoch, dass die Kinder und Jugendlichen oftmals als Symptomträger familiärer Dysfunktionen dienen. Sie reagieren auf das Erlebte!

    Die Arbeit der Familienbegleitung ist eine Möglichkeit aus der Distanz und aus der Reflektion heraus, neue Beziehungen zwischen Eltern und Kindern aufzubauen. Ohne den Druck der täglichen Auseinandersetzungen kann in kleinen, wohl bedachten Schritten, die Kommunikation, als auch die emotionale Verbundenheit zwischen den Herkunftsfamilien und ihren Kindern/Jugendlichen bearbeitet werden. Die gestörte Eltern-Kind-Beziehung wird bei Gelingen der Arbeit auf neue Füße gestellt. Es interessieren keine Schuldfragen, sondern vielmehr der Versuch familiäre Dysfunktionen (die oftmals über Generationen greifen) begreiflich zu machen und die Personen darin zu unterstützen oder zu bestärken, aus dem Teufelskreis auszubrechen.

    Dies verlangt natürlich von allen Akteuren, Eltern als auch Kindern ein gewisses Maß an ehrlicher Auseinandersetzung mit sich und den Familienmitgliedern. Jeder auf seinem Niveau und mit seiner Verantwortung. In systemischer Hinsicht ist es wichtig, dass die Eltern – so „eigenwillig“ ihre Beziehung zum Kind sein mag – den Kindern die emotionale, oftmals implizite Erlaubnis zur Ablösung und Weiterentwicklung im Projekt erteilen.

    Natürlich sollen auch die Eltern sich weiterentwickeln dürfen, nur dann können „neue“ und hoffentlich emotional gesündere Eltern-Kind-Beziehungen aufgebaut werden. Familienbande sind oftmals irrational aber fast immer sehr stark und langlebig. Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Betreuten irgendwann selber Eltern sein werden. Sie brauchen die ehrliche aber respektvolle Auseinandersetzung mit ihren Eltern, um verstehen zu lernen.

    Es ist bedauerlich zu sehen, dass sich manche Familien gerne aus der Affäre ziehen wollen und sich weigern Verantwortung zu übernehmen. Im Rahmen der Projektarbeit möchten wir das nach Möglichkeit verhindern. Der Abgleich mit der Realität muss Bestandteil der Pädagogik sein und bleiben, auch wenn es schmerzt.

  • Service

    Entscheidend für das Zustandekommen eines Hilfsangebotes ist im Regelfall das Vorliegen eines Hilfeplanes gem. § 36 KJHG in Deutschland oder entsprechende vergleichbare Gesetzesgrundlagen im Ausland sowie die Bereitschaft der Klienten zur Mitarbeit bzw. Teilnahme.

    Ensemble bietet eine flexibilisierte und individuell am Einzelfall ausgerichtete Palette an Hilfen zur Erziehung an. Unsere individualpädagogischen Angebote haben sich vielfach im Hinblick auf Abklärung und bzgl. der Schaffung einer dauerhaften Lebensperspektive bewährt. Neben beratenden, betreuenden, begleitenden individuelle Hilfen für Kinder, Jugendliche, junge Volljährige und deren Familien installieren wir Maßnahmen auch im Hinblick auf deren lebensweltliche Bezüge. Schwerpunkt bildet hier die Integration der persönlichen/individuellen Lebenswelt in den Sozialraum.

    Im Rahmen unserer flexiblen Erziehungshilfen bieten wir folgende Bausteine und Betreuungsformen an:

    • Ambulante Betreuung in der Herkunftsfamilie (Sozialpädagogische Familienhilfe)
    • Aufsuchende lösungsorientierte und systemische Eltern- und Familienberatung/therapie
    • Betreutes Wohnen im Bereich der Verselbständigung der Jugendlichen
    • Mobile Betreuung im Milieu des Jugendlichen (Stadtteil, Clique, Szene etc.)
    • Sozialraumorientierte Projekte
    • Kurzzeitige Kriseninterventionen
    • Standortprojekte im In- und Ausland (familienanaloge Wohnform)
    • Erlebnispädagogische Reiseprojekte im In- und Ausland
    • Clearings und Diagnostikmaßnahmen
  • Schule / Ausbildung / Beruf

    Grundsätzlich werden alle von der ensemble gGmbH betreuten Jugendlichen im örtlich vorhandenen Schul- und Ausbildungsangebot integriert. In Reise- und Standprojekten werden die Jugendlichen über jeweils passende Schularrangements beschult. Bei Schulverweigerern können im Bedarfsfall Einzelbeschulungen arrangiert werden.

  • Mitarbeiter

    Die Betreuer bei ensemble sind qualifizierte, pädagogisch ausgebildete freiberuflich tätige Dienstleister, die über ein eigenes pädagogisches Konzept verfügen.
    Sie verfügen über vielfältige Erfahrungen in der Betreuung und Krisenbewältigung.

    Trotzdem kann es im Einzelfall zu einer Kooperation mit einem Non-Profi kommen, wenn es sich um eine sog. Betreuungspersönlichkeit handelt. In einem solchen Fall wird die Intensität der fachlichen Anleitung und Koordination entsprechend angehoben.

  • Formales

    Geschäftsführung:

    Reda El Scherif

    Rechtsgrundlage der Unterbringung

    In Deutschland: Im Regelfall §§ 27ff SGB VIII, insbesondere §§ 34–35a SGB VIII
    In Luxemburg: Luxemburgische Sozialgesetzgebung

    Aufnahme

    Ca. zwei bis vier Wochen nach der ersten Anfrage kann meistens eine individuelle Maßnahme installiert werden.

    Entgelt / Kosten

    Stationäre Maßnahmen werden gemäß den rahmenvertraglichen Vorgaben NRW, und nach dem von der Geschäftsstelle der Landeskommission beim Landschaftsverband Rheinland festgesetzten Tagessatz abgerechnet. Der Tagessatz kann je nach Betreuungsintensivität unterschiedlich ausfallen. Dies ist jeweils nur individuell festzulegen.
    Ambulante Maßnahmen berechnen wir über eine Fachleistungsstunde, die mit den jeweiligen örtlichen Jugendämtern vereinbart werden.

  • Kindesschutz

    Handlungsschritte bei ensemble, wenn ein Verdacht der Kindeswohlgefährdung im Sinne des § 8a SGB VIII sowohl durch Personen innerhalb der Einrichtung als auch durch außenstehende Personen vorliegt.

    1. Partizipation der betreuten Kinder und Jugendlichen
    Die Kinder und Jugendlichen erhalten zu Beginn einer Betreuungsmaßnahme eine Informationsmappe mit sämtlichen Kontaktdaten (Herkunftsfamilie, zuständiges Jugendamt, Landesjugendamt, Einrichtungsvertreter) sowie mehrere frankierte Briefumschläge, mit deren Hilfe sie jederzeit Kontakt zu Personen ihres Vertrauens aufnehmen können. Dies kann neben dem zuständigen Sachbearbeiter beim Jugendamt auch der Koordinator von ensemble oder ein Mitarbeiter der Leitung von ensemble sein.

    2. Verdacht auf Kindeswohlgefährdung innerhalb einer stationären Betreuungsmaßnahme

    Liegen Verdachtsmomente oder konkrete Hinweise vor, die auf eine Kindeswohlgefährdung innerhalb eines Standortprojektes von ensemble hindeuten, finden folgende Verfahren Anwendung:

    • Die Leitung von ensemble wird sofort und unverzüglich informiert.
    • Im Leitungsteam von ensemble wird eine erste Einschätzung getroffen, ob gewichtige Anhaltspunkte für eine Gefährdung des Wohls des Minderjährigen vorliegen.
    • Bei gewichtigen Anhaltspunkten gegen Personen, die unmittelbar zu dem Standortprojekte dazugehören, wird ensemble eine einstweilige Umbelegung des Kindes/des Jugendlichen veranlassen, bis die Sachlage geklärt ist. Liegt ein Verdacht gegen einen Mitarbeiter im Standortprojekt vor, werden unverzüglich Gespräche mit dem Mitarbeiter und möglichen Zeugen geführt, die in letzter Konsequenz auch zu sofortigen strafrechtlichen Verfolgungen führen können.
    • Bei gewichtigen Anhaltspunkten gegen Personen, die sich im weiteren Umfeld des Standortprojektes oder im familiären Umfeld des Kindes/des Jugendlichen befinden, verbleibt der Jugendliche unter besonderen Schutzbedingungen im Standortprojekt.
      Die insoweit erfahrene Fachkraft dokumentiert die Fakten sowie die Ergebnisse aus dem beratenden Gremium.
      Die Leitung informiert in sämtlichen Fällen sofort und unverzüglich das zuständige Jugendamt sowie die zuständige Heimaufsichtsbehörde im Einzugsbereich des Standortprojektes und des Sitzes des Trägers und sendet die schriftliche Dokumentation zu.
      Mit allen Hilfebeteiligten und mit dem Kind/Jugendlichen (je nach Sachlage) werden eine Risikoeinschätzung und die weiteren Vorgehensweisen besprochen.

    3. Verdacht auf Kindeswohlgefährdung innerhalb einer ambulanten
    Betreuungsmaßnahme

    Liegen Verdachtsmomente oder konkrete Hinweise vor, die auf eine Kindeswohlgefährdung im Rahmen einer ambulanten Betreuungsmaßnahme von ensemble hindeuten, finden folgende Verfahren Anwendung:

    • Die Leitung von ensemble wird sofort und unverzüglich informiert.
    • Im Leitungsteam von ensemble wird eine erste Einschätzung getroffen, ob gewichtige Anhaltspunkte für eine Gefährdung des Wohls des Minderjährigen vorliegen.
    • Die insoweit erfahrene Fachkraft dokumentiert die Fakten sowie die Ergebnisse aus dem beratenden Gremium.
    • Die Leitung informiert in diesen Fällen sofort und unverzüglich das zuständige Jugendamt und sendet die schriftliche Dokumentation zu.
    • Mit allen Hilfebeteiligten und mit dem Kind/Jugendlichen (je nach Sachlage) werden eine Risikoeinschätzung und die weiteren Vorgehensweisen (z. B. unverzügliche Herausnahme aus dem familiären Setting) besprochen.

    4. Insoweit erfahrene Fachkraft
    Ensemble verfügt im Leitungsteam über eine Diplom-Sozialpädagogin mit mehrjähriger Berufserfahrung, die eine Ausbildung zur insoweit erfahrenen Fachkraft § 8a absolviert hat. Diese Fachkraft übernimmt eine beratende Funktion ein sowie die Koordination und den Informationsfluss im Falle eines Verdachtes bzw. einer Vorliegens einer Kindeswohlgefährdung.

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